NOSFERATU

19. Jahrhundert: Hutter, ein Mitarbeiter des Immobilienhändlers Knock im Städtchens Viborg verabschiedet sich von seiner Frau Ellen. Er hat den Auftrag bekommen, in die Karpaten zu fahren, um für einen dort residierenden Grafen Nosferatu Einzelheiten für den Kauf eines Hauses in Viborg auszuhandeln. Als Hutter in die Karpaten kommt erzählen ihm die Dorfbewohner des Hotels seltsame Dinge über das nahegelegene Schloß. Niemand möchte ihn mit eiiner Kutsche zum Schloß fahren. Als er sich alleine auf den Weg durch die Wälder macht wird er von einer Kutsche abgeholt, die ihn ins Schloß bringt. Im Schloß unterschreibt der Graf den Kaufvertrag über ein Haus in Viborg. Bei einer kleinen Schnittverletzung beim Rasieren merkt Hutter, daß der Graf ein Vampir ist und er versucht aus dem Schloß zu fliehen ... Der Graf bereitet seine Überfahrt nach Viborg mit dem Schiff vor, wo er viele Särge mit transsylvaniischer Erde einladen läßt. Während der Überfahrt auf See verschwindet jede Nacht eine Person der Besatzung. Das Schiff kommt leer im Hafen von Viborg an. Durch die Ratten an Bord des Schiffes breitet sich Pest in der Stadt aus. Der Immobilienhändler Knock wird verrückt und in eine Nervenanstalt gebracht, wo sich herausstellt, daß er ein heimlicher Gehilfe des Grafen war. Währenddessen kehrt Hutter wie in Trance aus Transsylvanien zurück. Das Haus des Grafen ist gegenüber dem von Hutter und seiner Frau gelegen, die der Graf als nächstes Opfer ausgesucht hat. Doch während Graf Nosferatu sein Opfer betäubt wird er von den ersten Sonnenstrahlen des beginnenden Morgens getroffen, verfällt zu Staub. Ellen kommt zu sich und ist froh, daß durch ihr Opfer der Graf von seinem Wiedergängertum erlöst ist.

Ich möchte anmerken, daß der modernere
Gruselfilm "The Shadow of The Vampire" (2002) eine völlig fiktive Handlung hat, die sich frei um den damaligen Dreh von Murnaus Nosferatu dreht. Bei "Shadow of the Vampire" ist der Hauptdarsteller ein "echter" Vampir (in der Realität war Max Schreck ein Schauspieler am Münchner Theater, Biografische Notizen bei Wikipedia sagen nichts dergleichen aus, daß er ein Münchner Vampir gewesen sein soll), weiterhin wurde die Person Murnaus unkorrekt dargestellt, z.B. war Murnau niemals Drogenkonsument gewesen, er trank nicht einmal Alkohol. Aber trotz der Abwesenheit der historischen Wahrheit ist "Shadow of the Vampire" einer der besseren Horrorfilme der letzten Jahre.

Uraufführung: 4. März 1922, Berlin, Primus-Palast, an die Uraufführung schloß sich ein großes Kostümfest bis 5 Uhr früh an, das sich mit dem Ball der Reimannschule vermengte.

Darsteller: Max Schreck, Alexander Granach, Gustav von Wagenheim, Grete Schröder, ...

Buch: Henrik Galeen. nach dem Roman „Dracula" von Abraham Stoker Kamera: Arno Wagner und Gunther Kampf

Bauten: Albin Grau

Remake 1: Die zwölfte Stunde, Dr. Waldemar Roger
Remake 2: Nosferatu-Phantom der Nacht von Werner Herzog, 1978

Weitere Rezensionen zu Nosferatu :
1 2 3 4 5 6 7 8 9



ABEND - NACHT - MORGEN

Das Objekt, um das es sich dreht, ist eine kostbare Perlenkette. Maud, eine Dame der Lebewelt, erbettelt sie von ihrem reichen Liebhaber, einem älteren Herrn, gezwungen durch die Drohungen ihres Bruders Brilburn, ein. Er verspricht, ihr die Kette am nächsten Morgen zu bringen. Aber der Bruder ist ungedurldig. Noch in der Nacht schleicht er zur Villa des Alten, um die Kette zu stehlen. Zu seinem Entsetzen findet er den Alten an der Decke des Zimmers aufgehängt, er schneidet den vermeintlichen Toten ab und eilt davon. Das zurückgelassene Messer und ein abgerissener Jackettknopf bringen ihn in den Verdacht der Täterschaft. Dem Detektiv Ward gelingt es jedoch, den versuchten Mord aufzuklären und als Täter einen von der Spielleidenschaft besessenen Klubfreund des Alten, Prince, zu ermitteln. Der geriet durch hohe Verluste auf den Weg des Verbrechens. Es gelingt, den alten Herrn ins Leben zurückzurufen. Prince wird verhaftet, als er versucht, das Etui mit der Perlenkette, das er in einem Brikettstapel auf einem Kohlenplatz versteckt hatte, zu holen.

Uraufführung: 24. Sept.1920; Berlin, Decla-Lichtspiele Unter den Linden

Darsteller: Conrad Veidt, Gertrud Welcker, Otto Gebühr u.a.

Buch: Rudolf Schneider

Kamera: Eugen Hamm

Bauten: Robert Neppach

Der Film gilt als verschollen ...

Weitere Rezensionen zu dem Film:
1





DER BRENNENDE ACKER

Der alte Graf in seinem Turmzimmer studiert Pergamente und Folianten. Einer seiner Vorfahren (Boris) ist beim Schatzgraben auf seltsame Weise auf dem Acker umgekommen, als er mit einer Fackel in den von Fronknechten gegrabenen Schacht stieg. Der Graf glaubt zu wissen, worum es sich handelt, und ein Sachverständiger, den er gerufen hat, bestätigt ihm, daß der Acker eine reiche Petroleumquelle berge. Sein ehrgeiziger Sohn Johannes hat an der Tür gelauscht. Und plötzlich macht er nicht mehr Gerda den Hof: der alte Graf hat ihm sein Testament diktiert: Der Acker wird des Grafen zweiter Frau, Helga als einziges Erbe vermacht werden! So nähert sich Johannes jetzt Helga, die ihn scheu zurückweist. Die Szene hat aber zwei Zeugen: Der alte Graf, der glaubt, Johannes handle so aus Uneigennützigkeit, er wolle von Gerda, der reicheren Erbin, nichts mehr wissen, erklärt sich einverstanden, daß nach seinem tode Helga und Johannes ein Paar werden. Gerda, die in jener Szene ebenfalls von der Treppe her zugesehen hat, ist in Verzweiflung gestürzt - sie gibt endlich dem Baron die Zusage, ihn so rasch wie möglich zu heiraten. Der Graf stirbt. Johannes heiratet die Gräfin, ohne Liebe zu empfinden, er denkt nur noch an den Acker. Eines Nachts findet er hier die Bestätigung der Aussagen des Sachverständigen, und er eilt in die Stadt, um von der Bank Kredite zu bekommen. Während man ihm Millionen zum Ankauf bietet und er immer wieder ablehnt, um schließlich zum Generaldirektor einer Aktiengesellschaft ernannt zu werden, ist Helga zu ihrem Schwager Peter auf den Roghof gegangen: Sie will den Acker, der ihr die Liebe ihres Mannes stieht, verkaufen. Und Peter bietet ihr zwölftausend Taler dafür, mehr um ihr einen Gefallen zu tun. Sie unterschreibt den Kaufzettel, und er gibt ihr die Summe in bar. Triumpfierend kehrt Johannes heim. Als Helga, froh, ihm eine Überraschung zu bereiten, das Geld zeigt, ist Johannes empört: Statt zwölftausend ist der Acker viele Millionen wert. Unbarmherzig erklärt er Helga, warum er sie geheiratet habe. Ohne dem Gatten etwas zu sagen, eilt Helga zu Peter mit dem Geld. Dieser zerreißt den Kaufschein. Für Helga aber ist alles zusammengebrochen, sie wankt durch die schneebedeckten Wiesen zum Fluß, um sich zu ertränken. Als Johannes zu Peter geht, den Kaufschein zurückzufordern, und die Erklärung gibt warum, zeigt dieser ihm voll Verachtung die Fetzen des zerrissenen Scheins. Gierig greift Johannes danach - ein Bauer kommt herein mit der Leiche Helgas, und die Fetzen entfallen den zitternden Händen des Johannes.. Die Bohrungen haben gegonnen. Und selbst als Gerda zurückkommt, um ihm zu sagen, sie wisse, Helga habe Selbstmord begangen, weil er sie nicht geliebt habe, erklärt er ihr müde, er habe weder Helga noch sie geliebt habe, alles wäre nur Ehrgeiz gewesen. Gerda geht, sie will sich rächen. Sie steckt die Petroleumquellen in Brand und findet dabei den Tod.

Das Jahr 1922 sollte für Murnau den Aufstieg zum Ruhm bedeuten. Das Drehbuch schrieb Thea von Harbou, die spätere Ehefrau und Mitarbeiterin von Fritz Lang. Auf seltsame Weise wurde „Der Brennende Acker" vor einigen Jahren wiedergefunden. Ein alter italienischer Wanderschausteller hatte jahrzehntelang in psychiatrischen Anstalten Filme gezeigt. Stummfilme, weil man bemerkt hatte, daß sie eine andere therapeutische Wirkung hatten als Tonfilme. Als er sein Gewerbe aufgab, vermachte er seine Sammlung an die Cinematek in Mailand. Auf diese Weise kam der Film wieder in einige Kinos. Er markiert nicht nur den Durchbruch Murnaus in der Publikumsgunst, sondern brachte auch internationale Anerkennung. Alle Erwartungen übertraf der Film in Frankreich. Das Land, das vor dem Weltkrieg den europäischen Filmmarkt beherrscht hatte und in dem vier Jahre nach dem Kriege alles Deutsche noch mit Mißtrauen beobachtet wurde nahm den Film enthhsiastisch auf. „Wir fühlen, daß selbst die kleinsten Einzelheiten einer aufmerksamen Studie unterzogen wurden und man stets die beste Lösung gefunden hat . In dem ganzen Streifen fühlt man den Akzent der Wahrheit, eine solch packende Weite der Emotion, daß man vom ersten Bild an erschüttert ist. Ein sicher aufgebauter Film, lebendig und voll tiefster Humanität. Die Kameraarbeit ist ein reines Wunder, die Regie ist geradzu etwas Unglaubliches.". In Frankreich sind die umstürzenden Neuerungen des deutschen Films und seine Nähe zum Geheimnisvollen und Übersinnlichen immer besonder lebhaft empfunden wurden. Die Franzosen sahen in dem deutschen Kino der zwanziger Jahre Parallelen zur romantischen Literatur eines E.T.A. Hoffmann, der in Frankreich zum literarischen Allgemeingut gehörte. Die Franzosen hat immer die Neigung zum Gespenstischen an Deutschland fasziniert, die nebelerfüllten Wälder, Kindermärchen oder die Neigung zum Dämonischen. Die Begeisterung für die Filme Murnaus hat in Frankreich eine ununterbrochene Tradition, während sie in Deutschland erst nach Jahrzehnten des völligen Vergessens wieder aufgenommen wurden.

Uraufführung: 3. März 1922; Hamburg, Waterloo-Theater

Darsteller: Werner Krauß, Eugen Klöpfer, Lya de Putti, Alfred Abel u.a.

Buch: Thea von Harbou, Willi Hauas, Arthur Rosen

Kamera: Fritz Arno Wagner (1. Hälfte), Karl Freund (2. Hälfte)

Bauten: Rochus Gliese

Weitere Rezensionen zu dem Film:
1 2




DIE AUSTREIBUNG

Der junge Steyer, der mit seinen Eltern hoch oben im Riesengebirge auf einem Bauernhof arbeitsam und schlicht seine Tage verbringt, heiratet in zweiter Ehe die schöne und leichtsinnige Ludmilla. Die hat den reifen Mann wegen seines Geldes wegen geheiratet. Ihr Herz gehört dem jungen Jäger Lauer, mit dem sie auch noch zusammenkommt, als sie Frau Steyer ist. Das ganze Dorf spricht über diese Zustände. Zuletzt merkt Steyer, daß etwas nicht in Ordnung ist. Er trifft eines Tages den Jäger vor seiner Hütte, als er unverhofft von der Arbeit kommt. Er befragt die Frau. Die aber erklärt ihm die ganze Sache höchst einfach. Der Jäger kommt nicht ihretwegen, sondern nur, weil er Anne, die Tochter Steyers aus erster Ehe, liebt. Abends geht Ludmilla mit ihrem Mann zum Tanz, um den Dörflern zu zeigen, wie groß die Liebe zwischen ihr und ihrem Mann sei. In der Trunkenheit verkauft er seinen Hof und versucht, den Lauer mit seiner Tochter Anne zu verloben. Im Augenblick, wo er den Kaufvertrag unterschrieben hat, dämmert ihm langsam, was er getan hat. Er eilt dem Schreiber nach, um Geschehenes ungeschehen zu machen. Der aber war schneller als er. Er tröstet sich zunächst mit dem Bewußtsein, zwar das Haus verloren, aber die Frau gewonnen zu haben. Er eilt in die Schenke zurück, und die Frau ist fort. Er stürmt nach hause. Auch da ist die Frau nicht. Schneespuren weisen ihm den Weg. Ludmilla ist mit Lauer heimgegangen. Sie glauben sich sicher, weil ein furchtbarer Sturm oben tobt. Als Steyer erscheint, kommt es zum Kampf. Lauer unterliegt. Was aus Ludmilla und Steyer wird, läßt das Bild offen. Die Eltern aber, die inzwischen vom Verkauf erfahren haben, verlassen den Hof, weil sie keine Stunde unter fremden Dach bleiben wollen, wie gewohnt waren, Zeit ihres Lebens stolz darauf zu sein, daß sie Herren des Hauses und des Grund und Boden seien.

Das Drama wurde nach einem Bühnenstück von Carl Hauptmann gedreht. Ein schlesisches Bauerndrama, das der Gebirgslandschaft eine zentrale Rolle gab. Höhepunkt des Films ist ein Schneesturm, in dem sich das Drama um den Bauern und seiner Frau Ludmilla und den Förster Lauer vollendet. Der entfesselten Natur entspricht die Entfesselung der Leidenschaft. Man weiß von Murnau, wie lange er oft mit seinen Takes wartete, um einen Witterungsumschlag drehen zu können, eine bestimmte Wolkenballung, die Unheil symbolisieren sollte, oder den aufklarenden Himmel, der die Lösung von Problemen andeutete. Dick vermummt wartete das Drehteam im verschneiten Riesengebirge darauf, diese zentrale Szene drehen zu können.

Uraufführung: 25. Okt. 1923, Berlin, UFA-Theater, Kurfürstendamm

Darsteller: Carl Goetz, Ilka Grüning, Eugen Klöpfer, Aud Nissen u.a.

Buch: Thea von Harbou, nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Carl Hauptmann

Kamera: Karl Freund

Bauten: Rochus Gliese, Erich Czerwonski

Weitere Rezensionen zu "Die Austreibung"
1 2


DER KNABE IN BLAU

Thomas von Weerth, der letzte Nachkomme einer alten, verarmten Adelsfamilie, lebt mit einem alten Diener in einem romantisch verfallenen Schloß, daß tiefe Gräben umgeben. Oft steht er vor dem Bild eines Knaben in Blau, einem Portrait seiners Vorfahren. Thomas glaubt, daß eine Verbindung zwischen ihm und dem Bild besteht, ja er denkt geradezu die Wiederverkörperung des Knaben in Blau zu sein, dessen Züge den seinen gleichen. Er sucht überall im Schloß nach dem berühmten Smaragd, den der Knabe in Blau auf der Brust trägt. Der Stein ist, weil er seinem Träger stets Unheil brachte, von einem anderen Vorfahren irgendwo verborgen worden. Thomas schläft eines Abends vor dem Bild ein, er träumt, daß der Knabe aus dem Bild steige und ihn zu dem Versteck hinführt. Als er aufwacht, und in dem angegebenen Versteck nachsucht, findet er dort wirklich den Smaragd. Der alte Diener bittet ihn vergebens, den Unglücksstein wegzuwerfen. Eine Truppe fahrender Gaukler kommt zum Schloß. Der Direktor der Truppe und eine schöne Zigeunerin, in der er sich verliebt, bekommen ihn ganz in ihre Gewalt. Sie nehmen ihm alles, was er noch besitzt - das Schloß gerät in Brand und brennt völlig nieder. Dabei wird das Bild zerstört und der Todessmaragd gestohlen. Nach langem Siechtum findet Thomas durch die selbstlose Liebe einer schönen Schauspielerin Genesung und friedliches Glück.

In seiner ersten Schaffensetappe ging es Murnau oft um ländliche Themen, Dörfer, die Natur, aber in einem radikal anderem Stil als die Heimatfilme späterer Jahrzehnte. Ein Einfluß von Edgar Allen Poe, E.T.A. Hoffmann und Oscar Wilde ist zu bemerken. Der "Knabe in Blau"" war ursprünglich ein Bild des englischen Malers Thomas Gainsborough.

Darsteller: Ernst Hoffmann, Blandine Ebinger, Margit Bay, Buch: Edda Ottershausen

Uraufführung: Juni 1919

Kamera: Karl Hoffmann

Bauten: Willi Herrmann
Der Film gilt als verschollen.

Weitere Rezensionen zu "Knabe in Blau"
1


DER BUCKLIGE UND DIE TÄNZERIN

Wilton, ein Buckliger, ist als reicher Mann aus Java zurückgekommen, wo er eine Diamant-Mine entdeckt hat. In einem Kabarett begegnet er der Tänzerin Gina, die sich soeben mit ihrem älteren Liebhaber verzankt hat, dem reichen Smith. Gina scheint sich für Wilton zu interessieren, sie hört sich seine Lebensgeschichte an und akzeptiert Geschenke. Wilton hat aus Java das Geheimnis seltsamer Schönheitselexierte mitgebracht und gibt eins davon Gina, damit sie ihre Schönheit bewahre. Doch Gina söhnt sich mit ihrem früheren Liebhaber aus, sie verlobt sich mit ihm und kommt nicht mehr in die obskur und reich ausgestattete Wohnung des Buckligen. Als endlich ihr Schönheitspräparat zu Ende ist, geht sie wieder zu ihm. Der eifersüchtige Bucklige mischt dem neuen Präparat ein Gift ein, gegen das er Gina immun gemacht hat, das aber jeden, der ihre Lippen berührt töten wird. Als erster stirbt Smith. Gina schöpft Verdacht, als sich die Vergiftungssymptome bei dem jungen Baron Percy, den sie liebt, zu wiederholen drohen. Sie eilt zu Wilton, der von seiner Leidenschaft für Gina hingerissen, ihr einen Kuß abzwingt. Damit bringt er sich selbst den Tod.

Der „Berliner Börsen-Courier" bezeichnete die Geschichte als schauerlich-tragisch mit einen süßlichem Patschuli-Geruch." Es war der erste Murnau Film überhaupt, der in der Berliner Kritik auf größeren Widerhall stieß. Der „Film-Kurier": Die Regie tat für dieses extreme Werk ein Äußerstes. es gibt gute und schlechte Regie, aber ich habe noch nie erlebt, daß Kinoregie um die Gestalten Atmosphäre legt, etwas Beseeltes, ein Dunst." „Sowohl die Pracht in den Räumen des Buckligen, wie die elegante Diele, in der sie auftritt zeugen von erlesenem Geschmack und sind eine Augenweide." Die Pressestimmen erwähnen allerdings Carl Meyer als Drehbuchautor, der Name Murnau fällt kein einziges Mal.

Weitere Rezensionen zu "Der Bucklige ..."
1


CITY GIRL (your daily bread)

Lem, ein junger Bauer wird von seinem Vater, dem alten Tustine, einem harten und herrschsüchtigen Mann, in die Stadt geschickt. Er soll korn verkaufen. In einem Speiselokal begegnet er Kate, die alle Männer mit ihrer Gier verfolgen, die sich aber nach Sonne, Licht und Landschaft sehnt. Sie schließen rasch Freundschaft. Als er wieder fortgeht, ist sie verzweifelt. auf dem Bahnhof besinnt sich Lem, er kehrt um, bittet Kate, ihn zu heiraten. Und er schickt dem alten Tyrannen ein Telegram. Tustine ist außer sich. Als sein Sohn mit seiner neuen Frau kommt, behandelt er sie als Eindringling. Die Atmosphäre wird immer unerträglicher, er Verdächtigt Kate, sie habe ein Verhältnis mit Mac, dem Vormann der Schnitter. Kate, die mit ansehen muß, wie nachgiebig sich ihr Mann gegenüber seinem Vater verhält, beschließt, in die stadt zurückzugehen. Mittlerseile weigern sich die von Mac aufgewiegelten Schnitter, die von einem Gewitter bedrohte Ernte des Nachts einzubringen. Wild graft Tustine nach der Flinte und schießt auf den Lastwagen der Schnitter; fast trifft er den eigenen Sohn, der mit ihnen fort wollte, um Kate zu suchen. Endlich begreift der alte Bauer, was er getan hat; er umarmt den Sohn und verspricht ihm, von nun an Kate als seine Schwiegertochter zu akzeptieren.

Murnau wollte einen Film über die Herstellung von Getreide drehen, über die Unwissenheit und Entfremdung der modernen Großstadt der Natur gegenüber. Murnau kennt zwar seine westfälische Heimat und ihre Felder gut; hier aber bemüht er sich genau das Leben der Bauern in Oregon (ein Weizenparadies) zu studieren. Murnau kaufte sogar ein Gut in Oregon um während der Ernte filmen zu können. Der fertige Film wurde gegen Murnaus Willen zugunsten des aufkommenden tonfilmes umgeformt und hat viel von seiner Ursprünglichkeit voerloren. Die Fox machte sich wieder Sorgen, daß ein allzu europäischer poetischer Kunstfilm entstehen würde, das vom amerikanischen Publikum nicht quotiert werden würde. Speziell angestellte gag men streuten humoristische Szenen ein. Murnau trat von seinem 5-Jahresvertrag zurück und zog sich in die Südseeinseln zurück. Ohne Murnau wurden Passagen neu gedreht. Ein Dialog wurde hinzugefügt; die Synchronisation lies zu wünschen übrig. Nun verlor sich jede Spur einer Symphonie der Natur, das Dürerhaft-Holzschnittartige, von deMurnau geträumt hatte. 1985 rekonstruierte das Museum of Modern Art in New York die stumme Fassung des Films unter dem ursprünglichen Arbeitstitel Our Daily Bread

Uraufführung: 16.2. 1930. 1. Mai 1930 (Tonfassung)


FAUST

Auftakt am Himmels-Horizont: Mephisto, ein Dämon bittet einen Erzengel um Erlaubnis, den Doktor Faust auf die Probe zu stellen. Er scheint sich sicher, dann dessen Seele zu erhalten. Der Erzengel, der Faust ebenfalls kennt, willigt ein. Doktor Faust ist in einer mittelalterlichen Stadt ein Gelehrter und Arzt. Er versucht ein Mittel gegen die Pest zu erfinden, eine Seuche, die Mephisto gerade der Stadt zugefügt hat. Faust ist in seiner Ratlosigkeit gegen die Pest verzweifelt. Er gibt auf und tritt durch ein Buch über Magie mit Mephisto in Kontakt. Mephisto erscheint und bietet ihm einen Pakt an. Der alte Faust bekommt seine Jugend zurück und muß dafür seine Seele dem Mephisto für immer verschreiben. Faust bekommt von Mephisto einen unverbindlichen Probetag zugestanden, an dem Mephisto alle Wünsche des Faust erfüllen muß. Zuerst dämmt Mephisto die von ihm verursachte Pest ein. Aber die Bevölkerung bekommt von dem Dämonenpakt Kenntnis und will Faust töten. Faust möchte schon seinen Pakt annulieren, da führt ihn Mephisto durch eine Zeitreise in die Urzeit und nach Parma. Dort verliebt sich Faust in eine hübsche Gräfin. Dann führt ihn Faust als jungen Mann in seine Heimatstadt zurück, wo er jung, reich und geachtet ist. Als dieser verliebt er sich in Grete. Das erregt Mephistos Unbehagen. Er veranlaßt durch Lug und Trug einen Mord an dem Bruder von Grete. Ihre Mutter und die Bevölkerung sollen durch Mephistos Plan denken, daß Grete den Mord begangen hat, sie flieht. Sie bringt ein Kind von Faust auf die Welt. Auf ihrer Flucht in einem Schneesturm wird ihr von niemandem Quartier gegeben. Ihr Kind stirbt an Erfrierungen. Nun wird sie auch noch des Kindesmordes wegen verurteilt zum Tode durch das Feuer. Faust versucht ihr beizustehen, kann aber die Vollstreckung nicht mehr verhindern. Doch kurz vor ihrem Ableben erkennt sie auch in dem wiederum alten Mann ihren Geliebten wieder und beide haben noch einen Moment gemeinsamen Glücks. Faust will nichts mehr mit Mephisto zu tun haben und wiederruft noch rechtzeitig seinen Pakt Mephisto muß am Himmel vor dem Erzengel seine Niederlage und Fehleinschätzung über Faust eingestehen, da er nicht mit der Liebe zwischen Faust und Grete gerechnet hatte.

Erinnerungen an Dürer und die Malerei des Mittelalters werden wach in dem letzten Film, den Murnau in Deutschland drehte. Man sieht die drei apokalyptischen Reiter, in deren Mitte Mephisto (Emil Jannings) ist. Und dann kommt jene Gegenüberstellung von Licht und Schatten, die als „Höhepunkt der Verwendung von Helligkeit und Dunkel im deutschen Film" bezeichnet worden ist. Murnau übernahm Elemente des Goethe-Dramas wie auch der älteren Faust-Dramatisierung durch den englischen Dichter Christopher Marlowe und stützte sich auf die mittelalterliche Faustsage. Das experimentierfreudige Drehteam entdeckte etliche Innovationen: Etwa die Schrift der Paktrolle des Mephisto, die alleine einen ganzen Drehtag wiederholt werden mußte. Die Schrift war ein salmiakgetränkter Asbestfaden, der genau im richtigen Moment verbrennen mußte. Oder die fliegenden Sauriervögel in der Zeitreise. Überall mußte Rauch aus Flaschen (mit chemischer Flüssigkeit) in einer bestimmten Dichte kommen um Räumlichkeiten zu erzeugen, die es in der Realität nicht geben konnte. Emil Jannings wurde mit einem Kran an Ketten für seine Zeitreise befestigt und protestierte gegen die harten Drehbedingungen. Unter den Premieregästen in Berlin erregte besonders die bis dahin unbekannte Camilla Horn Aufmerksamkeit. Sie hatte die Rolle der Grete, für die ursprünglich Lilian Gish vorgesehen war. Murnau und Jannings glänzten durch Abwesenheit, sie waren bereits die die Vereinigten Staaten gezogen. Der Film war mit zwei Millionen Mark eine der aufwendigsten Produktionen für die UFA -Geschichte gewesen. Überhaupt kam in jenem Jahr die UFA durch „Metropolis" von Fritz Lang, bis heute der teuerste Film der deutschen Filmgeschichte in Konkurslage.

Uraufführung: 26. Aug.1926, UFA-Theater, bei der Premiere war Reichskanzler Wilhelm Marx und Minister Gustav Stresemann eingeladen

Darsteller: Gösta Ekman, Emil Jannings, Camilla Horn, Frida Richard u.a.

Buch: Hans Kyser, nach Motiven von Goethe, Christopher Marlow und der Faust-Sage, sowie dem Manuskript Das verlorene Paradies von Ludwig Berger

Kamera: Carl Hoffmann

Bauten: Roberth Herlth, Walter Röhrig

Weitere Rezensionen zu Faust:
1 2 3 4 5


DIE FINANZEN DES GROSSHERZOGS

Harry Liedtke, der Gentleman-Charmeur des frühen deutschen Films, spielte vor dem Hintergrund einer natürlichen Kulisse, wie sie gegensätzlicher zu Murnaus vorangegangenen Film Austreibung nicht gedacht werden kann, den Großherzog. Die Inseln Rab, Ragusa, Cattaro und Spoleto waren die Lokaitäten der Dreharbeiten, es wurde auch ein Schiff der jugoslawischen Marine in Anspruch genommen. Das Schloß mußte in den Filmateliers von Berlin-Neubabelsberg nachgebaut werden. Es war der erste Film, den Murnau für die UFA drehte.

Die Komödie entstand an der Adria-Küste im sommerlichen Dalmatienn. Damals noch nicht der von Touristen überlaufene Küstenstreifen. Eine Landschaft, in der sich der Charme balkanischer Fürstentümer mischte mit der Eleganz von Sommervillen und Palästen. Ein guter Hintergrund für eine lockere Komödie über einen Fürsten, der aufgrund finanzieller Schwierigkeiten fast in die Hände eines Wucherers fällt, bis die Rettung durch die geliebte Frau kommt.

Uraufführung: 7. Jan. 1924; UFA-Palast am Zoo, Berlin

Darsteller: Mady Christians, Robert Scholz, Harry Liedtke, Alfred Abelm Max Schreck u.a.

Buch: Thea von Harbou, nach dem Roman Storhertigens finanser von Frank Heller

Kamera: Karl Freund, Franz Planer

Bauten:Rochus Gliese, Erich Czerwonsk


THE FOUR DEVILS (4 Teufel)

Der Film beginnt mit der Kindheit der vier Teufel, schildert die Leiden der Kleinen unter dem rohen Wanderzirkusdirektor und ihre Flucht mit dem Clown ... Dann Paris. Die Vier sind erwachsen und berümt. Charles und Marion lieben sich, da taucht die Verführerin auf ... Fritz gerät in ihren Bann, Aimée merkt es, die anderen fühlen, daß der treue Kamerad ihnen entgleitet, es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen. Aber niemand kann den störrischen Jungen bändigen. Als aber Fritz sich sogar an seinem alten Pflegevater (der Clown) vergreifrt, erkenntn er, wohin er geraten ist. Er gibt der Nebenbuhlerin den Laufpaß. Alles scheint wieder gut, da taucht an dem Abend, da die „4 Teufel" zum ersten Male in der Manege ohne Netz arbeiten, die Circe wieder in der Loge auf. Aimée, die fürchtet, Fritz wieder verlieren zu können läßt sich vom Trapez fallen

Weitere Rezensionen "The four devils":
1


DER GANG DURCH DIE NACHT

Dr. Börne, der mit einem jungen Mädchen, Helene, verlobt ist, geht mit ihr, um ihren Geburtstag zu feiern, in ein Kabarett. Hier tritt die Tänzerin Lily auf, die alles daransetzt, den ihr gegenüber gleichgültig erscheinenden Arzt auf sich aufmerksam zu machen. Sie gibt vor, sich den Fuß beim Tanz verstaucht zu haben, lockt Boerne damit in ihre Loge und er erliegt ihrer Verführung. Börne glaubt, Helene sei kalt; in Wirklichkeit will Helene ihn seiner Karriere zuliebe nicht zur Heirat drängen. Er bittet sie, ihm sein Wort zurückzugeben. Börne gibt alle seine Ambitionen auf, heiratet Lily und zieht sich mit ihr in ein Fischerdorf zurück. Sie begegnen dort einem erblindeten jungen Maler. Börne will ihm durch eine Operation das Augenlicht zurückgeben und nimmt ihn, trotz der Vorahnungen Lilys, die instinktiv die Anwesenheit des Blinden fürchtet, in ihrem Heim auf, um das Resultat der Heilung abzuwarten. Börne hört, daß Helene in der Stadt schwer erkrankt ist, eilt von Gewissensbissen getrieben zu ihr, wird aber nicht vorgelassen. Als er zurückkommt, findet er nahe dem Strand Lily und den gesunden jungen Maler als Paar - er begreift, daß Lily für ihn verloren ist. Jahre sind vergangen. Börne ist ein berühmter AUgenarzt geworden; er ist aber verbittert, nie hat er seine Frau vergessen können. Eines Tages steht sie in seinem Wartezimmer vor ihm; der Maler ist aufs neue erblindet, sie bittet Börne, ihn wieder zu heilen. So sagt er Lily, wenn sie nicht existierte, würde er ihren Gelibten heilen. Ohnmächtig sinkt er nieder. Als er wieder zu sich kommt, ist Lily verschwunden. Er eilt ihr nach in dem Gefühl, daß Schreckliches geschehen wird - aber er kommt zu spät. Damit Börne ihren Geliebten heile, hat sich Lily das Leben genommen. Der Blinde sagt Börne, er klage ihn nicht an, er habe ihm damals das Augenlicht wiedergegeben, um Lily sehen zu können. Jetzt wolle er nicht mehr geheilt werden, er kehre in seine Nacht zurück. Am nächsten Morgen findet der Diener Professor Börne an seinem Schreibtisch niedergesunken - tot.

„Gang in die Nacht" wurde durch Zufall in einem staatlichen Filmarchiv der DDR wiederentdeckt. Die Geschichte wirkt auf den heutigen Leser melodramatisch, fast kitschig. Doch mit dem heutigen Geschack it es schwer, den literarischen und den Publikumsgeschmack jener Zeit zu verstehen. Noch schwieriger ist es, das sinnliche Erleben eines Stummfilmes dem heutigen Menschen mit Erklärungen verbal zu beschreiben. Der größte Teil des Films spielt am Meer. Das Meer eignet sich für Murnau besonders mit menschlichen Ausdrucksformen und Empfindungen verglichen zu werden. Etwas, das zuerst die skandinavischen Regisseure getan hatten, während der mittel- und resteuropäische Film noch reiner Studiofilm war und die Natur zu vermeiden suchte. Der „Filmkurier" vom Dezember 1920: „Zum erstenmal werde versucht, das Kammerspiel auf den Film zu übertragen. „Eine starke, spannende Handlung mit wenigen Personen ist bis in die feinsten psychologischen Details ausgearbeitet."

Uraufführung: 21. Jan. 1921; Berlin Schau-Burg am Potsdamer Platz

Darsteller: Conrad Veidt, Gertrud Welcker, Bruno Ziemer, Otto Gebühr u.a.

Buch: Rudolf Schneider

Kamera: Eugen Hamm

Bauten Robert Neppach

Weitere Renzensionen "Gang durch die Nacht":
1 2




DER JANUSKOPF

Weitere Rezensionen zu "Der Januskopf"
1 2 3

DER LETZTE MANN (the last laugh)

Der alte Portier des Hotel Atlantik einer Großstadt ist ein wichtiger Mann. Sehr stolz auf seine Uniform mit goldenen Abzeichen ist er von allen geachtet. Manchmal zieht er sich in eine Vorhalle des Hotels zurück um der Kälte und dem Wetterwechsel der Straße zu entfliehen und ein paar Gläser zu trinken. Der Hotelbesitzer sieht das mit Mißfallen. Wenn er spätabends heim in sein Viertel kommt grüßen ihn die Nachbarn, seine Frau und seine Tochter repektvoll. Eines Tages sieht er seinen Posten von einem neuen Portier genommen, der viel jünger als er ist. Ein Laufbursche begleitet ihn zur Direktion, wo ihm eine Karte gegeben wird und ihm für seine lange Dienstzeit gedankt wird. Er bekommt einen neuen Posten als Reinigungskraft und eine neue Uniform, die nicht mehr rot und golden sondern weiß ist. Er besitzt noch den Schrankschlüssel zu seiner alten Uniform. Damit erscheint er auf der Hochzeit seiner Tochter. Er läßt nichts von seiner neuen Arbeit in seinem Wohngebiet verlauten. Im Hotel fühlt er sich von seiner neuen Arbeit gedemütigt, die bekannten Gäste behandeln ihn anders als früher. Traurig und apathisch führt er tagtäglich seine Reinigungsarbeiten aus. Seine Nachbarn erfahren durch einen Zufall von seiner berufllichen Degradadierung. Sie machen sich über ihn lustig als er nach Dienstschluß wieder mit seiner ursprünglichen Uniform auftaucht. Ohne Lebensmut übergibt er der Nachtwache seine falsche Uniform und möchte sich nicht mehr verkleiden. Doch ein alter treuer Gast gibt seinem Leben eine Wende. Dieser kam durch eine Erbschaft zu plötzlichem Reichtum und möchte den alten Portier daran teilhaben lassen. Darüber hinaus bietet er dem alten Mann einen neuen Posten an.

Wenn die Filmkunst zu einem Kennzeichen der Kultur der zwanziger Jahre werden sollte, dann ist sicherlich „Der letzte Mann" einer ihrer Höhepunkte. Der Film steht für eine verhängnisvolle Eigenschaft: die kritiklose Verherrlichung von Obrigkeit und ihrer Smbole, die auch der ehemalige Offizier Murnau kannte und hier zu ihrem Kritiker wird. Murnaus gleichaltrige Biografin Lotte Eisner merkt jahrzehnte später an, daß dieser Film heute kaum mehr verstanden werden kann. Er sei ein direkter Fahrstuhl, eine Zeitmaschine in die Weimarer Zeit. Dem Publikum zuliebe wurde ein positiver Schluß gewählt. Emil Jannings, der einen alten Mann von über 60 spielte war gerade 38 Jahre alt, als dieser Film gedreht wurde. Acht Jahre zuvor hatte ihn Ernst Lubitsch zum Film gebracht. Er wirkt in dem Film wie die Verkörperung des Alters, des Überganges zum Siechtum. Der Kamera, wieder unter Karl Freund, wurde eine bewegte Rolle zugebilligt wie noch nie zuvor. Etwa in der berühmten Auftaktszene eingesetzt. Aus einem Fahrstuhl wurde gedreht, der sich langsam hinuntersenkt, um die Halle des Hotels in ihrem Gewimmel von Gästen und Pagen zu erfassen. Solange Jannings die Uniform trägt, zeigt ihn die Kamera von unten. Als er sie verlor nur noch von oben. Der Niedergang des Portiers wird optisch nachgezeichnet. Das Premierenpublikum im UFA Palast am Zoo zeigte diese innovatorische Leistung zu Schätzen. Selbst die Rivalen Murnaus, Fritz Lang und E.A. Dupont drängten sich unter Bravorufen nach vorne. Carl Zuckmayer hat das Thema der Uniform wenige Jahre später auf komödiantische Weise in „Der Hauptmann von Köpenick" aufgegriffen. Der Film wurde überraschenderweise im Ausland, besonders in den USA zu einem Publikumserfolg. „The last Laugh" hatte Murnau diemal weltweit Anerkennung und Ruhm gebracht. Er gehörte nun zu den großen Regisseuren der UFA, die damals künstlerische Experimente durchaus förderte.

Uraufführung: 23. Dez. 1924; Berlin UFA-Palast am Zoo; 25.Jan 1925,New York, Rialto; London, 19.3.1925, Capitol; 11.Sept.1925, Paris, Aubert-Palace

Darsteller: Emil Jannings, Maly Delschaft, Max Hiller, Emilie Kurz u.a.

Buch: Carl Mayer

Kamera: Karl Freund

Bauten: Robert Herlth, Walter Röhrig

Weitere Rezensionen zu Der letzte Mann:
1 2 3


MARIZZA DIE SCHMUGGLERIN

Eine Geschichte aus den Balkanländern, ein Schmugglerleben - und das Leben einer Frau, die den Ehrgeiz hat, sich zu einem besseren Dasein emporzuentwickeln. Sie verläßt das Haus und den Acker der Mutter, findet in dem bescheidenen Haushalt eines verarmten Adeligen Aufnahme und knüpft hier ein Liebesverhältnis mit dem an, der sie auf der Straße auflas, mit Christo Avricolos. Aber die Mutter Avricolos, die mit dem Großkaufmann und Großschmuggler Scarzella in geschäftlicher Verbindung steht, überredet Christo, die Tochter Scarzellas zu heiraten und Marizza zum Hause hinauszujagen. Antonio geht mit Marizza; er, der als jüngster Sohn von der Mutter Avricolos daheim verwöhnt wurde und seinen Neigungen leben konnte, wird ein einsamer und ruheloser Kneipenmusikant. Marizza geht von Tisch zu Tisch, um die Almosen einzusammeln. Auf diesem Wege kommen sie wieder an die Grenze. Die Schmuggler vereinbaren, Marizza erneut an sich zu fesseln, denn wenn das Mädchen da ist, haben die Grenzposten mit ihr so vielen Zeitvertreib, daß sie ihre harte Pflicht gerne vernachlässigen. Bei einem Kampf um das Mädchen unterliegt der Pascher Haslinger. Marizza selbst erdolchte ihn. Antonio aber will alle Schuld auf sich nehmen und sich dem Gericht stellen. Während die Soldaten gegen das Schmugglernest vorgehen, bricht die ganze Bande zusammen, und das Streben der Schmuggler-Madonna endet wieder da da, wo es zu großen Erlebnissen ausgeholt hatte.

Obwohl der Titel eher an eine seichte Operette denken läßt, sehen wir eine Naturbeobachtung, die sich nicht mit dem Ablichten der Wirklichkeit gegnügt, sondern die Natur wie ein menschliches Gesicht als Ausdrucksform betrachtet, die das Wechselspiel zwischen Mimik und Natur hervorhebt.

Uraufführung: 20. Jan 1921; Berlin, Johann-Georg-Lichtspiele, Berlin-Halensee, Johann-Georg-Str. 19 (Murnau wohnte in der Nr.21-22)

Darsteller: Tzwetta Tzatschewa, Adele Sandrock, Harry Frank u.a.

Buch: Hans Janowitz, nach dem Manuskript „Grüne Augen" von Wolfgang Geiger

Kamera: Karl Freund

Bauten : Heinrich Richter


PHANTOM

Tagesbeginn in der Wohnung der Familie Lubota. Lorenz, der Ratschreiber, der Tagträumer, Hugo , der Kunststudent, Melanie, die sich die Nächte herumtreibt, um ihr Glück zu machen. Nach einem Streit mit ihrer Mutter verläßt sie die Wohnung. Auf dem Weg ins Amt: Lorenz zeigt den Nachbarsleuten (Buchbinder Stark mit seiner Tochter Marie) ein paar eigene Gedichte, sie halten ihn für sehr begabt. Marie ist in Lorenz verliebt. Vor einem Blumengeschäft wird Lorenz von einem Ponywagen angefahren. In einer Erscheinung erkennt er die Tochter des Eisenwarenhändlers Harlan wieder. Er borgt sich Geld von seiner Tante Schwabe, Pfandleiherin und Wucherin. Harlan will seine Tochter Veronika verloben, für Lorenz bricht eine Welt zusammen. Er will Veronika für sich. Der Mutter ist er fremd geworden, sie hält ihn für verrückt. Er bittet um Veronikas Hand und wird vertröstet. In einem Restaurant trifft er Melitta und ihre Mutter, eine Baronin. Die Tochter hat eine oberflächliche Ähnlichkeit mit der Veronika. Lorenz schwänzt den Dienst und wird gefeuert. Er verbringt die Nacht bei Melitta. Für sie borgt er sich erneut Geld von seiner Tante. Der taumelnde Tag: Lorenz und Melitta ziehen durch die Stadt, durch Geschäfte und Restaurants, wie im Rausch. Die Tante gibt ihm drei Tage Zeit, um das Geld zurückzubringen. Die Mutter wird krank. Ein letztes bittgespräch bei der Tante endet unversöhnlich. Nach einiger Zeit mit Melanie kehrt Wigottscheinski zurück. Zusammen mit Lorenz und Melanie will er die Alte bestehlen. Der nächtliche Einbruch geht schief, die beiden Männer werden verhaftet. Als Lorenz aus dem Gefängnis kommt, warten Marie und ihr Vater auf ihn

1922 ist Murnau einer der anerkannten Regisseure des deutschen Films, im Alter von 33 Jahren wird er aufgefordert einen filmischen Beitrag zum 60. Geburtstag von Gerhart Hauptmann zu drehen. Eine Novelle des schlesiscehen Dichters über einen armen Träumer, verliebt und Opfer seiner sentimalen Stimmungsschwankungen und seine fehlenden Willens. Als Stadtbild wurde Breslau zum Vorbild, doch tatsächlich ist es ist eine expressionistisch gestaltete Stadt im Nirgendwo. Wunsch- und Alpträume verschwimmen ineinander. Ein kleiner angestellter wird von den Vorstellungen der anderen Welt verführt. Er rennt seinen Gedichten und Träumen nach. Alles wird möglich von einem Tag auf den anderen, die Stadt zum Ort der Diebe und Phantome. Der Alltag stürzt zusammen. Eine belebte Mauer wird etwas Erschreckende. Die Häuser und Innenräume scheinen den zu verfolgen, der auf der Straße läuft.

Weitere Rezensionen zu Phantom:
1 2


SATANAS

Erste Episode: Der Pharao Amenhotep liebt eine Harfenspielerin, die Sklavin Nouri; zum Zeichen seiner Gnade wirft er ihr den königlichen Mantel um und macht ihren vorgeblichen Bruder Jorab zum Aufseher der großen Gärten. Jorab entzieht sich indessen den Umarmungen Nouris, er liebt ein unbekanntes Mädchen, das er nur einmal, als er noch Hirte war, am Brunnen gesehen hat. Der Eremit von Elu kann einen seltsamen Traum des Pharaos deuten; er weist jedoch alle Schätze des Pharao zurück - er will nur eines, zugegen sein, wenn dieser Gericht hält. Nouri bittet den Eremiten, die Frau wiederzufinden, die als Kind ihre Mutter vor einer ungerechtfertigten Steinigung bewahrt habe; sie trüge als Geschenk ihrer Mutter eine Spange mit dem Bild der Göttin Pha. Der Eremit rät Nouri, sich den Schlüssel zu erbitten, der sieben Türen öffne und den der Pharao auf seiner Brust trägt. Dann führt der Eremit Jorab, der ihn nach der Geliebten gefragt hat, durch eben diese sieben Türen zu Phadhi, der jungen Gattin des Pharao. Als Nouri die sieben Türen aufgeschlossen hat, findet sie Jorab in den Armen des Pharaos Frau. Ihre Rufe locken den Pharao herbei. Zornerfüllt befiehlt Amenhotep, daß die beiden vor Morgengrauen sterben sollen. Nouri sieht aber, daß Phahi die Spange mit dem Bild der Göttin Pha trägt. Sie wirft ihr den königlichen Mantel um und läßt sich mit Jorab zu den Henkern zum Richtblock schleppen. Dies aber nicht, um, wie sie es der Mutter versprach, ihr Leben für Phahi einzusetzen, sondern, weil sie es ihr nicht vergönnt, mit Jorab im Tod vereint zu sein. Als am nächsten Morgen der Pharao naht, flüstert die irre gewordene Phahi: "Sag mir den Namen des Geliebten, daß ich beim Sterben seinen Namen aussprechen kann." Der Eremit hat seine Gestalt gewandelt: Gigantisch geworden schrietet er als Todesengel, der durch seine Ratschläge allen Beteiligten Unglück brachte durch den Palast! Eine weitere Episode spielt um 1919. Hans Conrad, ein junger deutscher Student lernt in Zürich die Rechte. Durch seinen Zimmernachbar Ivan Grodski, einen ihn faszinierenden fanatischen Revolutionär, gerät er in einen Kreis russischer Verbannter, die in ihrem Café unzählige Tassen Tee zu trinken pflegen. Er berauscht sich an ihren Ideen und will den Unterdrückten Freiheit bringen. Als in Deutschland eine Revolution ausbricht, eilt Hans in seine Vaterstadt zu einer kleinen Residenz. Hans peitscht die Masse auf, er wird zum Führer gewählt, sie dringen ins Schloß ein. Zuerst widersetzt er sich Gewaltmaßnahmen, doch Grodski zwingt ihn, radikal gegen Gegenmrevolutionäre vorzugehen. Seine Eltern werden getötet. Unglücklich sucht Hans Trost in einem kleinen Vorstadthaus. Dort kebt Irene, die nicht weiß wer er ist. Verschwörer sammeln sich, um den Diktator Hans zu beseitigen. Irene, die Tochter des ehemaligen Schloßverwalters, kennt einen geheimen Gang zum Schloß, sie will den Diktator töten! Aber einer der Verschwörer verrät das Komplott. Entsetzt erkennt Hans Irene, er kämpft mit sich. Dann aber läßt der Machtgierige sie durch die Wachen zur Hinrichtung abführen.

Ein ähnlicher Film war schon unter gleichem Titel in Italien 1912 erschienen. Der Episodenfilm zählte damals zu den beliebtesten Spielarten, das Publikum durch historische Szenen und Statistenheere und Dekors zum Staunen zu bringen. Ähnliche Filme waren "Intolerance" von David Griffith oder "Der müde Tod" von Fritz Lang. Die zweite Episode enthält eine jener beliebten Renaissanceschilderungen um Lucrezia Borgia, der Tochter des Borgia-Papstes Alexander VI. Murnau lehnt sich lose an einen Roman von Victor Hugo an. Ähnlich wie das ägyptische Dekor die zwanziger Jahre immer wieder inspirierte, so war auch die Renaissance ein beliebtes Thema dieser Zeit. Wir müssen uns dabei von der Blickweise entfernen, die seit nunmehr 70 Jahren vom Tonfilm geprägt ist, bei dem die Dialoge das Visuelle nicht nur begleiten sondern selbst oft in den Vordergrund rücken. Der Stummfilm lebte in ungleich stärkerem Maße vom Spiel seiner Darsteller und vom Dekor. Fremde märchenhafte Welten auf die Leinwand zu zaubern war ein treffsicheres Mittel, den Film beim Publikum beliebt zu machen. Der dritte Teil behandelt ein zeitgenössisches Sujet aus der Weimarer Republik, die von rechter wie von linker Seite angegriffen wurde.

Uraufführung: 30. Jan. 1920; Berlin, Richard-Oswald-Lichtspiele

Darsteller: Fritz Kortner, Sadjah Gezza, Ernst Hoffmann, Margit Barnay, Conrad Veidt, Else Berna, Kurt Ehrle, Martin Wolfgang, Marija Leiko, ...

Buch: Robert Wiene

Kamera: Karl Freund

Bauten:Ernst Stern


SCHLOSS VOGELÖD (the haunted castle)

Es regnet in Strömen, Auf Schloß Vogelöd hat sich, wie jeden Herbst, eine bunte Jagdgesellschaft zusammengefunden. Man erwartet noch die schöne Baronin von Safferstädt und ihren zweiten Gatten, darum ist man ziemlich betroffen, als plötzlich ein nicht geladener Gast, Graf Johann Oetsch, eintrifft. Es geht nämlich das Gerücht, daß er seinen eigenen Bruder Peter, den ersten Gatten der Baronin, erschossen habe. Es war ihm aber nicht nachzuweisen. So fürchten sich die Gäste vor ihm. Die Baronin will sogar sofort wieder abreisen. Als sie hört, daß Pater Faramund aus Rom, den niemand kennt, ein Verwandter ihres verstorbenen Gatten, eintreffen wird, beschließt sie zu bleiben.Es beginnt wieder in Strömen zu regnen, die Jagdgesellschaft muß umkehren. Es wird Abend. Es läutet. Der Pater trifft ein. Die Baronin erzählt ihm von ihrer ersten Ehe, die anfänglich glücklich war. Als ihr erster Mann sich allerdings nach einer Reise allem weltlichen plötzlich versagen wollte ging es mit der Ehe bergab. Der Graf wollte sein Gut an die Armen verschenken, damit kam es zum Konflikt mit seinem Bruder Johann. In der darauffolgenden Nacht wurde der Graf erschossen vorgefunden.Da endet die Baronin ihre Erzählung. Das Schloß liegt im Regen, es ist Nacht. Die Baronin kann nicht schlafen und läßt nach dem Pater suchen. Doch von diesem ist keine Spur mehr zu finden. Der Pförtner hat ihn nicht aus dem Schloß gehen sehen. Die Gäste bekommen es mit der Angst zu tun. Am nächsten Morgen regnet es immer noch. Noch immer keine Nachricht vom Pater. Die Baronin bezichtigt den Grafen den Brudermord an ihrem Mann. Man sucht den Grafen, der plötzlich verschwunden ist. Da taucht der Pater wieder auf Da taucht plötzlich der Pater wieder auf. Die Baronin erzählt ihm weiterhin Geheimnisse aus ihrer ersten Ehe. Wegen des Beichtgeheimnisses ist der Pater zum Schweigen verpflichtet. Die Gäste tuscheln. Erfahren die seltsamen Vorgänge hinter dieser Tür ihre Erklärung? Da läutet es. Ein Auto mit dem richtigen Pater ist angekommen. Wer war der erste falsche Pater, wohin ist dieser verschwunden, wer beging den Mord am Mann der Baronin ...?

Hier wagt sich Murnau erstmals in den Bereich des Grauenhaften, der Andeutung und Vollendung des Schreckens. Es gibt eine beeindruckende Szene, als der Mörder der Frau die Tat gesteht. In einem hohen Raum, an dessen Kopfende zwei Türen fast wie Altarflügel wirken, drängen sich die beiden Personen an die entgegengesetzten Wände der Halle, zueinandergekehrt und dennoch mit abgewandtem Gesicht. Ähnlich eines Bildes von Edward Munch. Der Film lebt wiederum nicht von der Ratio seiner banalen Geschichte. Es kam Murnau und Carl Mayer auf die Stimmung an, die sichtliche Beklommenheit, die lähmende Angst, der ständige Regen, der lähmt. Die seelischen Geheimnisse sind von Anfang an sichtbar, daß selbst die Familienidylle im Kinderzimmer suspekt wird. Eine Kutsche bringt die Gäste nach Vogelöd, durch eine kalte und kahle Landschaft, die schon an Nosferatu erinnert.

Uraufführung: 7. April 1921,; Berlin, Marmorhaus

Darsteller: Arnold Korff, Lulu Kyser-Korff, Lothar Mehnert, Paul Hartmann u.a.

Buch: Carl Mayer, nach einem Roman von Rudolf Stratz in der Berliner Illustrierten Zeitung

Kamera: Fritz Arno Wagner, Laszlo Schäffer

Bauten: Hermann Warm, Robert Herlth

Weitere Rezensionen zu "The Haunted Castle":
1


SEHNSUCHT

Conrad Veidt verkörpert einen russischen Tänzer, der eine unglückliche Liebe zu einer Großfürstin hegt. Nach einer Zensurkarte aus Österreich handelt es sich um einen jungen russischen Studenten in Genf, der einer Nihilistenzentrale beitritt, um, mit einer Mission beauftragt, ohne Geld in die Heimat zurückgehen zu können. Er lernt in Russland ein Mädchen kennen, in das er sich verliebt. Er beginnt eine künstlerische Tätigkeit, wird aber von der Polizei verhaftet, die seine Mission herausgefunden hat. Es gelingt ihm zu entfliehen. Er sucht seine Geliebte vergebens. Er erfährt, sie sei während seiner mehrjährigenHaft gestorben.

Die Handlung ist nicht zu rekonstruieren, da der Film verschollen ist und die wenigen Pressenotizen widersprüchlich sind. Welche Rolle spielt die Großherzogin? Der Film soll auch unter dem Titel „Bajazzo" angekündigt worden sein.

Uraufführung: Februar 1921 Darsteller: Conradt Veidt, Gussy Holl, Eugen Klöpfer, Margarete Schlegel

Vorlage: Carl Heinz Jarosy

Kamera: Carl Hoffmann

Bauten: Robert Neppach

Der Film gilt als verschollen

Weitere Rezensionen zu "Sehnsucht"
1


SUNRISE (Sonnenaufgang)

Der Fischer Ansass lebt glücklich mit seiner Frau Indre in einem Dorf nahe eines Sees. Eines Tages taucht im im friedlichen Dorfleben eine Frau aus der nahegelegenen Stadt auf, die sich auf dem Land erholen möchte. Ansass und die Städterin verlieben sich. Er vernachlässigt seine Ehefrau, die Nebenbuhlerin schmiedet mit ihm den Plan, seine Frau bei einer Bootsüberfahrt umzubringen und als Unfall zu tarnen. Als Ansass seine Frau zu der Bootsfahrt einlädt will er - mitten im See - den Mordplan nicht mehr ausführen. Er erkennt, daß seine Frau ihm noch viel bedeutet, sie merkt von seinen schlimmen Intentionen, ist schockiert und verletzt. Das Boot legt an, beide nehmen die Straßenbahn in die Stadt. Stunden redet seine Frau kein Wort mit ihm, dann langsam ist sie bereit ihm zu vergeben. Beide verleben einen glücklichen Abend in der Stadt mit ihren Parks, Straßenfesten und Glaspalästen. Trotz der Tragik gibt es auch humorvolle Szenen, z.B. das kleine Ferkel, daß sie als ersten Preis auf dem Jahrmarkt gewinnen und das plötzlich flüchtet. Auf der Heimfahrt im See geraten sie in einen Sturm. Das Boot kentert, Ansass kann sich retten, seine Frau ist nicht mehr zu sehen. Traurig kehrt er zu seinem Haus zurück - ohne seine Frau. Er mobiisiert die Nachbarn seine Ehefrau zu suchen. Die Geliebte glaubt an die Ausführung des Mordplanes. Andrass beachtet sie nicht. Da kommt die Nachricht, daß seine Frau lebend geborgen wurde. Die ehemalige Nebenbuhlerin muß das Dorf verlassen und in die Anonymität der Stadt zurückkehren. Indré erzählt niemanden von dem Komplott gegen sie. Ansass und Indre geben in ihrem Haus ein Fest zu ihrer Bergung, wo das ganze Dorf teilnimmt.

Murnaus Ruhm ging in den USA fast ausschließlich auf den „Letzten Mann" zurück. Auch Emil Jannings kam mit dem frischen Ruhm dieses Filmes mit seiner Frau nach Amerika. Eine Möglichkeit, die in der Zeit der Stummfilme für Schauspieler wesentlich leichter war als in der Tonfilm-Epoche. E war sein zweiter Besuch in den USA. Zwei Jahre zuvor hatte er sich vergeblich um ein amerikanisches Engagement bemüht, damals hatte niemand den Regisseur solch exotischer Filme wie „Nosferatu ernstgenommen. Erst nach dem „Letzten Mann" kam das Angebot des Produzenten William Fox.

Uraufführung: 23.Sept.1927, New York, Time Square Theater; 17.11.1927, Berlin, Capitol

Darsteller: Janet Gaynor, George O’Brien, Bodil Rosing, Margaret Livingston u.a. Buch: Carl Mayer, nach der Erzählung Die Reise nachTilsit von Hermann Sudermann Kamera: Charles Rosher, Karl Struss Bauten: Rochus Gliese Preise: American Academy Awards für Janet Gaynor (beste Schauspielerin), Oscar (die erste Oskar-Veranstaltung überhaupt) für Janet Gaynor, weitere Preise für Regie und Kamera

Weitere Rezensionen zu Sunrise:
1 2 3 4 5 6


TABU

Reri und Matahi auf der Insel Bora-Bora können kein Paar werden, denn Reri ist als reine Frau ihres Volkes auserwählt. Kein Mann darf sie begehren. Matahi verletzt das Tabu und entführt sie von Bord des Schoners. An ihrem Zufluchtsort muß Matahi sich als Perlentaucher verdingen, und Reri muß dem alten Hitu folgen, dem Priester und Wächter ihres Volkes. Matahi schwimmt dem Boot der beiden nach, doch als er sich an die Leine klammert, wird sie von Hitu gekappt. Matahi versinkt im Meer. Was bleibt ist - Mahnung, Drohung, Grabinschrift - Schild Tabu.

Die Vertragskündigung mit Fox sah Murnau nun gelassen. Er hatte bereits genug Geld verdient, um mit „Tabu" eine unabhängige Produktion zu gestalten. Er mietete eine Yacht und stehert auf die polynesischen Inseln. In seinem Film spielten nur Einheimische/Eingeborene, die noch nie vor einer Kamera standen. Gedreht wurde auf der Insel Nukuhiva aus der Marquesas-Gruppe, auf Takaroa und Tahiti. Murnau ist begeistert von der Liebenswürdigkeit der Eingeborenen und den neuen Lichtverhältnissen. Während der Achtzehnmonatigen Drehzeit hat Murnau seine gesparten finanziellen Mittel erschöpft. Da bekommt er auf seine Yacht „Bali" am Ende der Dreharbeiten einen Vertrag von Paramount, die erste Kopien des Filmes bereits gesehen hatte. Murnau bekommt einen Zehn-Jahresvertrag. Anfang 1931 hatte Murnau einige Pläne sowie den Rückenwind der Paramount. Er wollte seine Mutter in Deutschland besuchen und dort den neuen Tonfilm studieren. Paramount willigte einen weiteren Südsee-Film zu, ein bekannter Autor wollte aus Tabu einen Roman machen. Die Premiere von Tabu war in New-York auf den 18. März 1931 angesetzt. Am 11. März verunglückte Fritz Murnau tödlich bei einer Autofahrt in der NäheSanta Barbara. Greta Garbo, die Murnaus Werk schätzte hat angeblich lange seine Totenmaske aufbewahrt.

Weitere Rezensionen zu Tabu:
1 2 3



TARTÜFF

Tartüff schleicht sich in das Haus des reichen Orgon ein. Orgon wird eine leichte Beute, macht den Heuchler zu seinem engsten Vertrauten und will ihm gar seine Tochter zur Frau geben. Doch Mutter und Tochter erkennen früh die Verstellung. Tartüff schreckt nicht einmal davor zurück Orgons Gattin eindeutige Avancen zu machen. Die beiden Frauen schmieden ein Komplott, um ihn bloßzustellen, was am Ende nach Verwicklungen auch gelingt. Tartüff wurde wegen diverser Delikte schon seit längerem von den Behörden gesucht. Werner Krauß spielte den vertrauensseligen Orgon,

Jannings übernahm nach seinem großen Erfolg im vorangegangenen Muranu-Film die Rolle des Tartüff. Lil Dagover spielt die Ehefrau des Orgon, die sich verzweifelt darum bemüht, ihrem Mann die Augen über das Betrufsmanöver zu öffnen. Es mag heute noch verwundern, wie man ein Stück, daß in starkem Maße von Dialogen lebt, in einer Stummfilm-Inszenierung auf die Leinwand bringen kann. Filmkritiker verstanden nicht so recht, was Carl Mayer und Murnau sich nun ausgerechnet aus einem bekannten Werk von Molière machten.

Uraufführung: 25.Jan.1926; Berlin, Gloria-Palast

Darsteller: Emil Jannings, Lil Dagover, Hanns Gérard, J. Schichova u.a.

Buch: Carl Mayer, nach einer Komödie von Molière

Kamera: Karl Freund

Bauten: Robert Herlth, Walter Röhrig

Weitere Rezensionen zu Tartüff:
1 2 3


ANMERKUNGEN ZU MURNAU

Schöpfer von subtilen gotischen und unheimlichen Filmen ("Nosferatu", "Phantom", "The Haunted Castle"). Er setzte die Natur und Lichtexperimente in Dramen wie "Sonnenaufgang" oder "Faust" wie eigene Hauptdarsteller ein. Ernst Lubitsch wurde zur gleichen Zeit bekannt mit seinem Sinn für Komödien und Humor. Murnau hingegen gab eher dem Dramatischen und Schicksalhaften ein attraktives Gewand. 2001 wurde Murnau einem anderen großen Kinopublikum bekannt, als ein fiktiver Horrorfilm über die Hintergründe des damaligen Drehs von "Nosferatu" in die Kinos kam. So interessant "Shadow of the Vampire" auch ist, die Story ist völlig frei erfunden (z.B. Max Schreck soll ein echter Vampir gewesen sein?) und die Person Murnaus verzerrt wiedergegeben.

2000 wurde"Faust" und "Nosferatu" mit einer neuen Jazz-Livemusik im Kino neu vorgestellt. Eine deutsche Gothik-Band wählte seine Filme als Hintergrund-Lightshow für ihr Konzerte. Eine überraschende Ehrung im Land des Regisseurs nach fast 70 Jahren ziemlicher Stille.

Obwohl der erste Weltkrieg erst wenige Jahre vorbei war, gab es in Europa eine kulturelle Blüteepoche, so unterschiedlich zu der nach dem zweiten Weltkrieg. Die Ufa hatte den ersten grossen internationalen Erfolg mit "Das Kabinett des Dr. Caligari". Europa schaute zu der bis dahin eher unbedeutenden Filmlandschaft in Deutschland. Zu dieser Zeit taucht auch Murnau mit seinen ersten Werken auf.

Der Filmemacher aus Kassel wird z.B. in Frankreich bis heute geschätzt (hier im Bild mit Henri Matisse). Er wurde einmal von der Cinemathek Paris (neben Fritz Lang) als bedeutendster innovativer Regisseur bezeichnet, den Deutschland jemals hatte. Ohne das sich das Heimatland dessen je bewußt wurde. Und gemerkt hätte, daß durch ihn typisch deutsche Charakterzüge, Landschaften, agrare Traditionen und Personenschicksale zu Würde und Poesie im Kinosaal der anderen Länder gelangten.

Rezensionen zu Murnau allgemein:
1 2

INTERNATIONALE TITEL von Murnaus Filmen:

the blue boy, the hunchback and the dancer, dr. jekyll and mr. hyde, evening night morning, the tragedy of a dancer, conrad veidt, a symphony of horror, the burning soil, the expulsion, the grand duke's finances, tartuffe, our daily bread

una sinfonía del terror, el ultimo, amanecer, tartufo

tabú, Le Bossu et la danseuse, Le Crime du docteur Warren, L'Émeraude fatale, La Marche dans la nuit, La Découverte d'un secret, Nosferatu le Vampire, La Terre qui flambe, Le Fantôme, L'Expulsion, Les Finances du grand duc , Le Dernier des hommes, Faust, une légende allemande, L'Aurore, Les Quatre Diables, L'Intruse, Tabou

Il ragazzo in blu, satana, Il gobbo e la ballerina, La testa di Giano, Sera... notte... mattino, Il cammino della notte, Nostalgia, Il castello di Vogelod, Marizza, detta la signora dei contrabbandieri, La terra che brucia, Nosferatu il vampiro, Fantasma, L'espulsione, Finanze del granduca, L'ultima risata, Tartufo, Aurora, I quattro diavoli, Il nostro pane quotidiano






Netzaehler.de